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Berlins Schulen vertuschen Probleme
Die Probleme mit muslimischen Einwandererkindern an Berlins Schulen seien gelöst, behaupten Politik und Presse. In Wahrheit hat sich gar nichts gebessert. Die Probleme werden nur schöngeredet und unter den Tisch gekehrt.
Im Jahr 2006 war die mediale Welt in Deutschland noch in Ordnung. Sarrazin war in diesem Jahr noch eine recht unbekannte Person, die man in der öffentlichen Debatte leicht ignorieren konnte. Das gelegentliche Murren des kleinen Mannes, der in öffentlichen Verkehrsmitteln mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert wurde, beschränkte sich noch auf die Stammtische. Kurzum, in der Traumwelt unserer Eliten in ihren Villenvierteln und Privatschulen war das Leben noch schön und ungezwungen. Und dann erschütterte ein Erdbeben die Idylle. Niemand hatte es geahnt, es kam aus heiterem Himmel. Eine Schule hatte sich in einem verzweifelten Hilferuf an den Senat der Stadt Berlin gewandt. Der Anteil an Migranten unter den Schülern, die nicht das geringste Interesse an einer schulischen Ausbildung zeigten, hatte eine kritische Masse überschritten. Ein normaler Schulbetrieb sei nicht mehr möglich:
(...) Notwendiges Unterrichtsmaterial wird nur von wenigen Schüler/innen mitgebracht. Die Gewaltbereitschaft gegen Sachen wächst: Türen werden eingetreten, Papierkörbe als Fußbälle missbraucht, Knallkörper gezündet und Bilderrahmen von den Flurwänden gerissen. (...) Unsere Bemühungen die Einhaltung der Regeln durchzusetzen, treffen auf starken Widerstand der Schüler/innen. Diesen Widerstand zu überwinden wird immer schwieriger. In vielen Klassen ist das Verhalten im Unterricht geprägt durch totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten. Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert.
Einige Kollegen/innen gehen nur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie über Funk Hilfe holen können. Die Folge ist, dass Kollegen/innen am Rande ihrer Kräfte sind. (...)
Nicht, daß dieser Brief für einen denkenden Menschen eine Überraschung gewesen wäre. Ein Land, das einerseits jedem Menschen unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft einen Lebensstandard finanziert, von dem er in der Heimat nur träumen kann, andererseits aber die Leistungsträger nur als Zahlmeister respektiert und so auspreßt, daß sie zu Hunderttausenden aus dem Land fliehen, ein solches Land zieht natürlich nicht die Fleißigen und Anständigen aus anderen Ländern an, sondern deren Unterschichten. Dieser Zusammenhang ist so trivial, daß es kaum zu glauben ist, daß man ihn überhaupt diskutieren muß. In einem Staat, der von Ideologen regiert wird, muß man das aber, sofern das überhaupt möglich ist, ohne vor Gericht zu landen. Ideologien sind hartnäckig. Wo sie sich mit der Wirklichkeit beißen, muß sich notfalls eben die Wirklichkeit anpassen.
So auch in diesem Fall. Die schöne, "bunte" Fassade, die Politiker und Meinungsmacher so sorgsam und liebevoll errichtet hatten, hatte erstmals Risse bekommen. Das Beben, das der Brandbrief von der Rütli-Schule ausgelöst hatte, war zu stark gewesen, um es nach bewährter Art einfach zu verheimlichen. So mußte man sich, nachdem der erste Schock überwunden war, wohl oder übel daran machen, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Nicht in dem Sinne, daß man endlich aus seinem schönen Traum aufgewacht wäre, die Gefahr erkannt und endlich begonnen hätte, entschlossen gegenzusteuern, um noch das Schlimmste zu verhindern. Nein, wo kämen wir da denn hin. Vielmehr ging es darum, besagte Fassade wieder zu kitten. Alles andere wäre nämlich das Eingeständis einer Lebenslüge gewesen, und wer ist dazu schon bereit? Man tat also zunächst einmal das, was Linke am besten können, und forderte mehr Geld. In der Folge ging ein warmer Finanzregen über einige Schulen nieder, den Bürgern konnte man erzählen, um das Problem werde sich gekümmert, und im übrigen vermied man einfach negative Berichterstattung.
Nach außen hin war die Welt nun wieder in Ordnung. Vor einigen Wochen veröffentlichte der SPIEGEL einen rührenden Artikel, in dem wir erfuhren, daß die ehemalige Rütli-Schule sich durch einen kleinen finanziellen Aufwand in Höhe von gerade mal 27 Millionen Euro nunmehr in eine, so wörtlich, "vorbildliche Bildungsoase" verwandelt habe. Mit Theater-AG, Multifunktionshalle und Elterncafe. Gut ein Viertel der Schüler habe sogar eine Empfehlung für die Gymnsasiale Oberstufe erhalten.
So einfach ist das also? Ein wenig Geld, ein wenig Verständnis, und schon kehren die bösen Jungs ihren weichen Kern nach außen und lernen, was das Zeug hält? Klingt irgendwie eher wie eine Geschichte aus Claudia Roths Märchenstunde als wie ein Fall aus dem Leben. Und tatsächlich, wer sich alternativ informiert, der kann erfahren, in welchem Maße die Verhältnisse an Berlins Schulen schöngeredet werden. Sehr erhellend ist in diesem Zusammenhang vor allem ein Artikel, der jüngst in der Jungen Freiheit erschien. Als Beispiel sei hier zunächst die Herbert-Hoover-Schule im Wedding genannt. Sie gilt seit Jahren als Vorzeigemodell für erfolgreiche Integration, seit das Lehrerkollegium vor fünf Jahren mit den Schülern eine Art Vertrag geschlossen hat, demzufolge auf dem Schulgelände nur noch Deutsch gesprochen werden soll. Für diese Idee wurde die Schule nicht nur mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet, sondern hat sogar von Wolfgang Thierse höchstpersönlich Lob erhalten, der das Konzept der Schule "vorbildlich" findet. Was aber ist dran an dem schönen Schein? Die Junge Freiheit ließ an einem Freitagmittag einige Berichterstatter auf dem Schulgelände spazieren. Selbige vernahmen zwar ein fröhliches Stimmengewirr in verschiedenen Sprachen, aber keinen einzigen deutschen Satz bis auf einen. (Er lautete: "Jenna, fick dich."). Besagte Schule wird übrigens derzeit für 2,7 Millionen Euro aufwendig saniert. Sie erhält nämlich eine Vorzugsbehandlung aufgrund ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit, begründet in ihrer vorbildlichen Lösung des Integrationsproblems. Bloß hat letzteres leider nie stattgefunden. Die Schule führt die Öffentlichkeit an der Nase herum.
Wie aber ist solch ein Täuschungsmanöver überhaupt möglich? Auch diese Frage beantwortet der Bericht: Kein Lehrer würde es wagen, die Wahrheit zu sagen. Der Tipp, daß die Herbert-Hoover-Schule ein falsches Spiel spielt, kam von einem Lehrer, der aber nicht genannt werden wollte. Ein anderer Schulbediensteter bestätigte, daß der "Sprachenvertrag" der Schule nur auf dem Papier existiert, allerdings ebenfalls nur unter der Zusicherung, seine Anonymität zu wahren. Übertriebene Vorsicht? Keineswegs. Ein ehemaliger Lehrer der Gustav-Langenscheidt-Schule verlor seine Anstellung, nachdem er den Eltern seiner Schüler in einem Vortrag von dem menschenverachtenden Umgang arabischer und türkischer Schüler mit den wenigen verbliebenen Deutschen berichtete. Nach dem Vortrag, so der Lehrer, sei ihm ein eisiger Wind entgegengeweht. Er sei "zur Seite genommen" worden und eine Woche nach dem Vortrag gekündigt.
Die Erfolge der Integrationspolitik an Berliner Schulen sind also, man hätte es sich denken können, vor allem eine Erfindung der Politiker und der Schulleitungen. Die Lehrer, die es aus eigener Erfahrung besser wissen, werden durch Einschüchterung zum Schweigen gebracht, und wer nicht schweigt, erhält dafür Berufsverbot. Die DDR läßt grüßen.
Was aber ist mit dem oben erwähnten Viertel der Schüler, die von der ehemaligen Rütli-Schule den Sprung aufs Gymnasium schaffen werden? Ist das denn nicht ein unzweideutiger Erfolg, unmöglich schlechtzureden? Nur bei oberflächlicher Betrachtung. In Berlin gab es dieses Jahr eine Schulreform. Haupt- und Realschulen wurden in der neuen Sekundarschule zusammengefaßt. Kurz gesagt, die Schule, die bis vor kurzem Rütli-Schule hieß, besteht inzwischen zur Hälfte aus Realschülern. Die plötzliche Zunahme kluger und leistungsbereiter Schüler ist vor diesem Hintergrund kein Wunder und hat vor allem nichts, aber auch gar nichts mit einer Besserung bei den alten Problemschülern zu tun.
Aber das hat der Autor des SPIEGEL-Berichts in seiner Begeisterung wohl vergessen zu erwähnen.
Quellen:
Vom Schlachtfeld zum Bildungsidyll. Spiegel Online, 26. Oktober 2010
Bloß nicht provozieren. Junge Freiheit vom 19. November 2010. (Elektronisch noch nicht verfügbar)