Was wir sind

Was ist die PV! Hansea? Die Frage ist einfach zu beantworten, und dann wieder auch nicht. Die kurze und bündige Antwort lautet: Eine Schülerverbindung. Doch damit werden sich wohl die wenigsten zufrieden geben, denn als Schüler wird man mit dem Verbindungswesen nicht so selbstverständlich konfrontiert wie als Student (wo man, je nach Studiengang, mitunter schon in der Einführungswoche von den tonangebenden Linksextremisten vor den Verbindungen "gewarnt" wird). Wir müssen, bevor wir uns selbst vorstellen können, mit der grundlegenden Frage beginnen: Was ist eine Schülerverbindung? Dazu müssen wir allerdings ein wenig weiter ausholen und zu den Gründungstagen des Verbindungswesens zurückschweifen. Wer es so genau gar nicht wissen will und lieber gleich mehr über uns erfahren will, der kann auch direkt nach unten blättern und gleich zum nächsten Teil springen: Wer wir sind.

Seit es Universitäten gibt, dienen sie der Ausbildung einer Wissenselite. Als Zentren des Wissens und der Wissenschaft vermittelten sie eine Ausbildung, die nicht für die Masse bestimmt war. Ihrer Natur gemäß befanden sie sich dort, wo Kultur und Gesellschaft ihre Zentren hatten: In den großen Städten. Wer sie besuchen durfte, wurde mit einem Schlag aus dem vertrauten Umfeld seiner Freunde und seiner Familie gerissen und traf auf viele andere, denen das gleiche Schicksal wiederfuhr. Was lag da näher, als sich unter seinesgleichen zusammenzuschließen und die verlorene Gemeinschaft, die einem sein Leben lang Halt gegeben hatte, durch eine neue zu ersetzen? Solche organisierten Zusammenschlüsse von Studenten gibt es seit ältester Zeit. Die ersten entstanden etwa im Jahre 300 n. Chr. in Athen.

Die ältesten Verbindungen im heutigen Sinne sind die sogenannten Landsmannschaften, welche wiederum aus den älteren Nationes hervorgingen. Sie stammen aus der Zeit, als es noch keine deutsche Nation gab, sondern nur viele kleine Königreiche, recht lose organisiert im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Da es nur wenige Universitäten gab, bedeutete ihr Besuch meistens einen Umzug ins "Ausland" (= ein anderes deutsches Königreich), wo man sich dann bevorzugt mit Studenten aus seiner Heimat, eben den eigenen "Landsmännern", zusammentat. Aus dieser Zeit stammt das noch heute praktizierte studentische Brauchtum. Vor allem das studentische Fechten ist hier zu nennen. Zu häufigen, langen Überlandreisen gezwungen, besaßen Studenten das Privileg, einen Degen zu führen, um sich vor Überfällen zu schützen. Der sichere Umgang mit ihm gehörte zur studentischen Ausbildung. Seine Notwendigkeit ist heute überholt, doch das studentische Fechten überlebte als exklusiver Sport, den man allein als Angehöriger einer schlagenden Verbindung erlernen kann. In Schülerverbindungen wird er in abgeänderter Form als pennales Fechten praktiziert.

Mit der Zeit wurde die Verbindungslandschaft vielfältiger. Zu den Landmannschaften gesellten sich neue Verbindungstypen unterschiedlichster Ausrichtung. Manche sahen ihre Aufgabe darin, ihre jungen Bundesbrüder gesellschaftlich zu erziehen und zu guten Staatsbürgern auszubilden (Corps), andere schrieben sich die Körperertüchtigung auf ihre Fahnen (Turnerschaften) oder verschrieben sich der Pflege des heimischen Liedguts (Sängerschaften). Und wieder andere sahen ihre Aufgabe in der politischen Agitation. Letztere sind die Burschenschaften. Sie traten im Jahre 1815 auf den Plan und bildeten den studentischen Arm der damaligen national-freiheitlichen Bewegung, die sich infolge des Sieges über die französischen Besatzungstruppen unter Napoleon im deutschen Volk formiert hatte. Napoleons Siegeszug durch Europa hatte den Deutschen den Wert nationaler Einheit drastisch vor Augen geführt. Politisch zersplittert in eine Vielzahl autonomer Königreiche, war das deutsche Volk chancenlos gegen den französischen Vormarsch. Erst in Rußland konnte Napoleons Armee, in der zu diesem Zeitpunkt kaum noch Franzosen, dafür aber zahlreiche zum Militärdienst eingezogene Deutsche kämpften und starben, nach hohen Verlusten auf beiden Seiten gestoppt werden. Nach diesem Schock wurde der Ruf nach nationaler Einheit und politischen Reformen laut, es begann der sogenannte Vormärz. Die Burschenschaften waren ein wesentlicher Träger dieser Bewegung. Die schwarz-rot-goldene Fahne, heute offizielle Flagge der Bundesrepublik, war damals die Fahne der burschenschaftlichen Bewegung.

Die Dynamik, die von diesem neuen Verbindungstypus ausging, war so groß, daß sie nicht auf die Universitäten beschränkt blieb, sondern auch auf die Schulen übergriff. Es bildeten sich sogenannte Schülerverbindungen oder Pennälerverbindungen, die das studentische Brauchtum imitierten und sich der burschenschaftlichen Idee verpflichtet fühlten. Obwohl sie eher als Ableger der burschenschaftlichen Bewegung zu betrachten waren und ihre Bedeutung relativ gering blieb, existieren einige von ihnen noch heute. Und auch späte Neugründungen hat es gegeben. Die PV! Hansea ist ein Beispiel dafür.

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